Wenn in Deutschland über Wassersport gesprochen wird, dann ist Surfen oder Wellenreiten nicht gerade das Gesprächsthema Nummer Eins. Einige Insel sind vor der Küstenlinie Norddeutschlands angesiedelt, allerdings sind diese Orte nur für Kite- oder Windsurfen bekannt. Ab dem 11. Lebensjahr verbrachte ich meine Jugend auf einer dieser Inseln – Langeoog. Bis dahin haben mich Wassersportarten nie wirklich gepackt. Einige Male im Jahr bin ich mit meinen Eltern Segeln gegangen und dies war mehr als genug für mich. Mit 16 bin ich schulbedingt von der Insel weggezogen und 2011 änderte sich einiges, als ich anfing Betriebswirtschaftslehre zu studieren und ca. 300 KM entfernt weit weg lebte. Nur nur ca. alle ein oder zwei Monate waren Besuche zu Hause dann möglich.

Es war die Zeit, als Ben Howard mein Lieblingskünstler wurde und die GoPro-Kamera unantastbare Actionvideos ins Internet stellte. Surfen klang für mich immer interessanter und so kaufte ich mir erste Zeitschriften in denen zu sehen war, dass einige Surfer stürmische Wellen an der Ostseeküste surfen. Der Wunsch dies ebenso zu erleben wurde so groß, dass ich meine Eltern einige Male besuchte, damit ich meine Joggingleidenschaft am Strand mit der Ausschau nach Wellen kombinieren konnte. Ziemlich schnell fand ich heraus, dass dies möglich war: Surfbare Wellen bei Hochwasser schienen vorhanden zu sein. Ich war immernoch sehr unsicher, bis ich eines Tages am Strand joggte und einen Surfer sah, der in Richtung Wasser lief. Obwohl es zu keinem Gespräch kam und wir uns nie wieder gesehen haben, war es der Ausgangspunkt für mein eigenes Surfprojekt.

Aller Anfang beim Wellenreiten ist schwer

Niemand hat mir geglaubt, als ich von meinem Vorhaben erzählte – weder meine Freunde, noch meine Familie. Ich habe nur gehört, dass es Geldverschwendung sei und es keine Wellen auf Langeoog gibt. Aber ich habe nicht darauf gehört, denn die Leidenschaft schien größer zu sein. Google wurde mein neuer Lehrer und ich so suchte ich nach passendem Equipment und nach der richtigen Technik auf YouTube. Folglich bestellte ich ein 6.0 Shortboard, welches ca. 183 cm lang ist und ein 5/3 Neoprenanzug, welcher an der Brust/Rücken eine Stärke von 5 mm besitzt und die Beine/Arme eine Stärke von 3 mm haben. Wochenlang konnte ich es kaum abwarten und so ging ich das erste Mal mit Surfboard und Anzug ins Wasser. Ich war in sehr guter sportlicher Form – zumindest dachte ich das. Dies war mehr als eine große Fehleinschätzung. Ich flog immer und immer wieder direkt vom Brett und habe es nicht ein Mal vernünftig geschafft aufzustehen. Glücklicherweise merkte ich ziemlich schnell, dass mein Brett nur für erfahrene Surfer geeignet ist. Somit bestellte ich ein Anfängerbrett, das 7.2 Mini-Malibu mit einer Länge von ca. 220 cm. Nach langem Durchhaltevermögen und vielen Wochenendtrips, kam ich immer besser zurecht und machte große Fortschritte. Bis heute bin ich immer noch der einzige Surfer dort.

Alle haben gesagt es ist unmöglich

Bis einer kam, der das nicht wusste

und es einfach gemacht hat

Wellenreiten wird vom Hobby zur Leidenschaft

Natürlich wird Langeoog niemals ein großer Surfspot werden, denn die Kosten für die Fährüberfahrt und die Brettmitnahmen sind zu hoch. Aber für mich ist es das perfekte Paket: Ein zwei Minuten Spaziergang zum Strand ist genug um die Wellen zu checken. Und sogar für diesen Ort sind die Vorhersagen über das Internet ziemlich genau.

Ich verbesserte mich weiterhin und investierte mein gesamtes Gehalt in neues Equipment für den Winter, damit ich auch zu dieser Jahreszeit Surfen konnte. Damals war es die einzige Möglichkeit dies zu tun. Am Ende meines Bachelorabschlusses hatte mich das Surffieber so gepackt, dass ich für einen großen Schritt bereit war und andere Wellen abseits von meinem Heimatort an einem weit entfernten Ort Surfen wollte.

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